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Benjamin Dibbert aka Nordischsound (2026)

Kaum ein Name ist in der deutschsprachigen C64-Szene aktuell so präsent wie Nordischsound. Hinter dem Pseudonym steckt Benjamin Dibbert, der seit Jahren mit seinen eingängigen Melodien und technisch beeindruckenden SID-Soundtracks die Retro-Community begeistert. In unserem Kurzinterview spricht der Musiker über seine Leidenschaft für den Commodore 64, die Entstehung seiner Kompositionen und die Faszination, die Videospiele und ihre Musik seit jeher auf ihn ausüben.

Zuerst meine obligatorische Anfangsfrage: Kannst du dich noch an den Auslöser für deine anhaltende Liebe zu digitalen Spielen erinnern?

Benjamin Dibbert: Bei mir fing eigentlich alles mit dem C64 an. Ich habe mir damals den Befehl „LOAD“ von meinem Bruder abgeguckt, obwohl ich noch gar nicht lesen und schreiben konnte. Ich war ungefähr sechs Jahre alt und habe mich, wenn mein Bruder nicht da war, an seinen C64 gesetzt und angefangen, erste Programme zu laden. Das war für mich schon damals unglaublich faszinierend.

Gleichzeitig erinnere ich mich auch an Atari-2600-Spiele wie Bobby geht nach Hause oder Kung-Fu Master. Auch ein Pong-Telespiel gab es in meiner Kindheit. Was davon jetzt tatsächlich uns gehörte und was vielleicht von anderen Familienmitgliedern oder Freunden stammte, kann ich heute allerdings nicht mehr genau zuordnen.

Mein erstes eigenes System war dann auf jeden Fall ein C64, und auch einen Game Boy hatte ich. Danach kamen irgendwann das NES, der erste 486er-PC und natürlich das SNES. Später ging es mit dem N64 weiter. Der Game Cube war dann schließlich die erste Konsole, die ich tatsächlich zum Release gekauft habe und nicht erst Jahre später. Meine NES-Phase war beispielsweise schon zu einer Zeit, als das SNES längst auf dem Markt war. Als Kind konnte ich mir durch Second-Hand-Hardware trotzdem vieles leisten, denn meine Eltern haben mir eigentlich selten bis nie solche Sachen gekauft. Auch der PC ist natürlich immer weiter mitgewachsen. Mein Bruder hatte eigentlich immer das stärkere System, und vermutlich habe ich dann irgendwann seine alten Sachen bekommen – daran fehlt mir heute aber ehrlich gesagt ein bisschen die Erinnerung.

Wie bei den meisten von uns hat deine Gamer-Karriere mit dem C64 begonnen. Kannst du dich noch erinnern, welche Spiele es dir damals besonders angetan haben?

Benjamin Dibbert: Maniac Mansion haben wir geliebt, auch wenn wir es nie durchgespielt haben. Damals gab es ja noch keine Komplettlösungen, die man einfach im Internet nachschlagen konnte. Tatsächlich hat uns irgendwann der Arbeitskollege meines Vaters einen Tipp gegeben: Mit dem Farbentferner, den man im Spiel findet, konnte man hinter einem Farbklecks an einer Wand eine versteckte Tür sichtbar machen. Damit kamen wir zumindest schon einmal einen Schritt weiter. Durchgespielt habe ich das Spiel trotzdem erst sehr viel später – dann aber natürlich mit einer Komplettlösung 😉

Ansonsten habe ich The Way of the Exploding Fist geliebt. Und eigentlich könnte ich hier fast alle Spiele aufzählen, die ich später auch in meinem C64-Medley verarbeitet habe: Turbo Outrun – das hat damals sogar mein Vater gezockt –, Giana Sisters, Street Surfer, Bruce Lee, TRAZ – wie geil ist bitte TRAZ?! Dieser Level-Editor war so genial! –, IK+, Paperboy, Ghosts’n Goblins, Spy Hunter, 1942, Bubble Bobble … es waren einfach sooo viele. Was ich heute besonders faszinierend finde: Viele dieser Spiele hat man eigentlich nie wirklich durchgespielt, weil sie einfach einen absurden Schwierigkeitsgrad hatten. Aber genau das gehörte damals irgendwie dazu. Man hat immer wieder gespielt und versucht, ein bisschen weiterzukommen.

Konsolen von Nintendo haben es dir neben dem C64 besonders angetan. Hat diese Liebe bis heute angehalten?

Benjamin Dibbert: Nintendo 4 ever! Auch wenn ich heute aus vielerlei Gründen nicht mehr der ganz große Nintendo-Fan bin wie früher. Wenn man sich beispielsweise Super Mario All-Stars (SNES) anschaut, was damals ja quasi eine komplette Neuinterpretation der alten Spiele war, und das dann mit Super Mario 64 vergleicht, das heute immer und immer wieder nahezu unverändert (und zum Vollpreis) auf neuen Nintendo-Systemen veröffentlicht wird, finde ich das schon ziemlich ernüchternd. Trotzdem hängt mein Fan-Herz natürlich weiterhin an Nintendo, und auf das angekündigte Ocarina of Time-Remake freue ich mich ehrlichgesagt schon riesig.

Gab es einen bestimmten Soundtrack oder Komponisten, der dich dazu inspiriert hat, später eigene Musik unter dem Pseudonym “Nordischsound” für den C64 zu machen?

Benjamin Dibbert: Ich denke, Koji Kondo (u.a. Super Mario Bros, The Legend of Zelda) und Nobuo Uematsu (Final-Fantasy-Reihe) haben mich als Nintendo-Fanboy musikalisch am stärksten geprägt. Allerdings nicht speziell dazu, Chiptunes zu machen, sondern generell Musik zu komponieren. Das mit dem C64 kam dann erst später. Vielmehr war es immer ein Traum von mir, Komponist für Videospiele zu werden. 2001 habe ich angefangen, selbst Musik zu machen, da war ich 19 Jahre alt. Damals habe ich mit Fruity Loops experimentiert, das heute FL Studio heißt – und genau damit arbeite ich bis heute. Es gab sogar ein paar kleine Aufträge, aber zum Beruf hat es letztendlich nie gereicht.

Die Marke Nordischsound ist schon lange vor meiner Chiptune-Zeit entstanden. Ich brauchte damals einfach einen coolen Namen für meine Musikproduktion, und ich bin eben „Nordisch by Nature“, also wurde daraus Nordischsound. Unter diesem Namen habe ich dann ungefähr 20 Jahre später, also um 2021 herum, angefangen, meine ersten C64-Tracks zu komponieren. Vorher hatte ich schon mit FamiTracker herumgespielt, um NES-Chiptunes zu produzieren, aber davon habe ich nie etwas veröffentlicht. Mit GoatTracker ging es dann beim C64 richtig los. In die Szene bin ich eigentlich durch Markus Klein aka L-Man reingerutscht, ein bekannter SID-Musiker aus dem C64-Kosmos. Mit ihm habe ich übrigens auch eine Podcastfolge beim Nerdwelten-Podcast aufgenommen – und das sogar noch bevor ich meine ersten Gehversuche mit GoatTracker gemacht hatte. Er hat mir das Ganze damals wirklich schmackhaft gemacht.

Du komponierst sowohl eigene Songs als auch Remixe bekannter Klassiker und veröffentlichst sie auf deinem YouTube-Kanal. Was reizt dich mehr: eine völlig neue musikalische Welt zu erschaffen oder einer legendären Melodie deinen eigenen Stempel aufzudrücken?

Benjamin Dibbert: Remixe beziehungsweise Cover machen mir unglaublich viel Spaß. Ich liebe es, mir einen Song vorzunehmen und mich zu fragen: „Würde dieser oder jener Song auch auf dem C64 funktionieren?“ Das können ganz alte Klassiker sein, aber genauso gut auch relativ neue Stücke. Und das Ergebnis ist eigentlich jedes Mal spannend, weil man vorher nie genau weiß, wie sich der Song in diesem völlig anderen Klangkosmos entwickeln wird. Ich möchte aber nicht ausschließlich auf Cover reduziert werden. Wenn ich eine eigene Melodie schreibe und die Leute feiern sie ebenfalls, bin ich natürlich besonders euphorisch. Denn dann weiß ich, dass die Leute wirklich meinen Sound mögen und nicht nur ein Cover, weil sie das Original vielleicht schon geliebt haben. 

Der C64 setzt Komponisten mit seinen technischen Grenzen enge Leitplanken. Empfindest du diese Einschränkungen eher als Herausforderung oder sogar als kreative Freiheit?

Benjamin Dibbert: Für mich ist es tatsächlich keine Freiheit, sondern eine ganz klare Einschränkung. Aber genau diese Einschränkung führt wiederum zu diesem unverwechselbaren Sound – und Not macht bekanntlich erfinderisch. Ich schätze diese Begrenzungen deshalb sehr. Man muss sich Gedanken machen, wie man mit den wenigen verfügbaren Stimmen und Möglichkeiten das Maximum herausholt. Und wenn in seltenen Fällen ein SID nicht ausreicht, kommen bei mir auch schon einmal zwei SIDs parallel zum Einsatz.

Ich finde außerdem, dass sich Videospielmusik generell stark verändert hat. Früher standen meistens die Melodien im Vordergrund, idealerweise mit einem enormen Ohrwurmfaktor. Heute ist es häufig eher ein bombastischer orchestraler Sound, der technisch natürlich unglaublich beeindruckend klingen kann. Aber manchmal funktioniert er für mich nur innerhalb des Spiels. Wenn ich dann aus dem Spiel herausgehe, bleibt bei mir nicht unbedingt eine bestimmte Melodie im Kopf hängen. Deshalb sind gerade diese vermeintlich “einfachen” Melodien aus der 8- und 16-Bit-Zeit für mich etwas ganz Besonderes. Sie stehen für sich.

Mit welchen Tools entstehen deine Chiptunes konkret, und spielt die originale C64-Hardware dabei noch eine Rolle?

Benjamin Dibbert: Meine Musik schreibe ich wie gesagt am PC mit GoatTracker. Die fertigen Dateien ziehe ich anschließend auf eine SD-Karte und nehme die Musik dann tatsächlich auf einem Original C64 mit einem echten SID 8580 auf. Danach mastere ich die Songs noch für YouTube in FL Studio, das ich auch für die Erstellung meiner Videos nutze. Das Mastering hat dabei vor allem den Zweck, der starken Komprimierung durch YouTube entgegenzuwirken. Es soll also nicht den Klang meiner Musik grundlegend verändern, sondern dafür sorgen, dass beim Upload möglichst wenig von der ursprünglichen Qualität verloren geht. 

Neben deinem musikalischen Steckenpferd bist du auch als erfolgreicher Podcaster aktiv. Neben Hardy Heßdörfer bist du regelmäßig im Podcast „Nerdwelten“ zu hören. Um was geht es bei euch?

Benjamin Dibbert: Ich hatte das Glück, von Beginn an bei Nerdwelten dabei sein zu dürfen. Seit Anfang dieses Jahres bin ich allerdings kein aktiver Teil mehr des Podcasts und konzentriere mich seitdem vollständig auf meine Musik. Nerdwelten war eine wirklich tolle Zeit, die ich definitiv nicht missen möchte. Wir haben uns dort intensiv mit der Videospielgeschichte, alten Games, Hardware, Magazinen und natürlich auch den persönlichen Erinnerungen beschäftigt, die man mit dieser Zeit verbindet. Aber irgendwann musste ich für mich eine Entscheidung treffen, worauf ich meine begrenzte Zeit konzentrieren möchte. Und momentan ist das eben ganz klar die Musik.

In der Rubrik „Durchgeblättert“ habt ihr regelmäßig in alten Spielezeitschriften geschmökert und über eure persönlichen Erinnerungen gesprochen. Warst du früher auch fleißiger Leser von Magazinen und falls ja, welche Hefte haben es dir besonders angetan?

Benjamin Dibbert: Na klar, als Hardcore-Nintendo-Fan habe ich immer das Club Nintendo Magazin und später die N-Zone gelesen, welche die erstere Zeitschrift abgelöst hat. Danach kam dann irgendwann noch die Gamestar dazu.

Zockst du hin und wieder auch auf aktueller Hardware oder beschäftigst du dich in deiner kostbaren Freizeit gar mit ganz analogen Dingen?

Benjamin Dibbert: Ich besitze eine Switch und einen gut ausgerüsteten Gaming-PC. Zuletzt habe ich endlich GTA 5 durchgezockt und aktuell spiele ich Red Dead Redemption 2. Alan Wake 2 habe ich mir ebenfalls vor einer Weile vorgenommen, sowie das Remake zu Mafia 1 und Resident Evil 4, also durchaus auch moderne Sachen. in guter Zock ist eben ein guter Zock. Da ist mir das System und ob es ein neues oder ein altes Spiel ist, egal. Meine All-Time Favorites auf dem PC sind Gothic 2 und der erste Teil von Deus Ex. Ansonsten nimmt meine Familie und mein Sohn, der jetzt 4 Jahre geworden ist, natürlich den größten Teil in meinem Leben ein.

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