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Wing Commander Reloaded: Zurück ins Cockpit

Wing Commander Reloaded wurde am 26. September als spielbare Alpha-Version veröffentlicht. Das kostenlose Fanprojekt läuft auf dem PC und kann über itch.io heruntergeladen werden. Eine Beta oder gar ein Termin für die fertige Version steht derzeit noch nicht fest. Wichtig für den Start: Reloaded ist kein eigenständiges Spiel, sondern ein Add-on. Es benötigt also die Dateien der Original-MS-DOS-Version von Wing Commander oder noch besser der 1996 erschienenen Spielesammlung “The Kilrathi Saga”, die die ersten drei Teile der Reihe enthält.

Völlig losgelöst von der Erde

Der erste Teil von Wing Commander erschien 1990 bei Origin Systems und wurde maßgeblich von Chris Roberts entwickelt. Als anfangs noch namenloser Pilot an Bord des Trägerschiffs TCS Tiger’s Claw nahm man den Kampf gegen die gefürchteten Kilrathi auf  – und Wing Commander zeigte eindrucksvoll, was ambitionierte Spieleentwickler aus einem PC herauskitzeln konnten. Detailreiche VGA-Grafik, eine umfangreiche Soundkarten-Unterstützung (Besitzer einer Roland MT-32 hatten natürlich die Nase vorn) , cineastische Zwischensequenzen und verzweigte Kampagnen machten aus der Weltraum-Ballerei ein ziemlich großes Epos für damalige Verhältnisse.

Frischer Lack für die Tiger’s Claw

Reloaded bringt das betagte Wing Commander dank der Unity-Engine ordentlich auf Vordermann und spendiert dem Klassiker unter anderem neue, hochauflösende Raumschiffe und Cockpits. Die Grundlage hierfür stammt größtenteils von Howard Day, einem Indie-Entwickler und 3D-Künstler, der bereits 2019 mit „Wing Leader“ an einer Neuinterpretation von Wing Commander arbeitete. Aber auch unter der Haube wurde kräftig gewerkelt: Gegner und Wingmen haben eine eigene KI spendiert bekommen und verhalten sich im Kampf entsprechend ihrer Rolle.

Hinzu kommen eine überarbeitete Kommunikation und Navigation sowie ein neues Waffen- und Schadenssystem. Die komplette Vega-Kampagne mit allen 40 Missionen und den Zwischensequenzen ist erfreulicherweise bereits enthalten. Beim Soundtrack bleibt Reloaded zwangsläufig nah am Original, da hier direkt auf die vorhandenen Spieldaten zurückgegriffen wird. Wer die bereits erwähnte Kilrathi Saga besitzt, kommt dabei in den Genuss der aktuell besten Klangvariante, denn dort wurde die Musik gegenüber der ursprünglichen DOS-Version bereits überarbeitet. Als Bonus ist außerdem ein Editor geplant, mit dem sich später eigene Missionen und Dialoge erstellen lassen.


Mein Senf dazu: Für eine erste Alpha macht Wing Commander Reloaded bereits vieles richtig – und auch das erste Feedback im Netz fällt bislang überwiegend positiv aus. Wer das Original noch aus der eigenen Jugend kennt, erinnert sich bestimmt noch an die für damalige Zeiten happigen Hardware-Anforderungen: Ein 386er mit 16 MHz und 2 MB RAM sollte es schon sein – und selbst dann konnte die Weltraumschlacht je nach Rechner schon mal zur elendigen Ruckelarie verkommen. Für mich war das Spiel damals aber ein willkommener Anlass, um meine latent überheblichen Amiga-Kumpels in ihre Schranken zu weisen und ihnen zu zeigen, wie moderne Computerspiele in Zukunft auszusehen und zu klingen haben. Die 2 Jahre später erschienene Amiga-Umsetzung stank aufgrund der gerade einmal 16 gleichzeitig darstellbaren Farben gehörig gegen das PC-Original ab und glich somit eher der schwächeren EGA-Version. Heute läuft man natürlich schnell Gefahr, sich über fehlende Pixel oder Texturen zu beschweren, aber in den letzten Jahrzehnten hat sich technisch eben einiges getan. Ganz fertig ist Wing Commander Reloaded natürlich noch lange nicht und kleinere Baustellen wie Gegner-KI und Steuerung gehören in der Alpha eben noch dazu. Der Charme des Originals wurde meiner Meinung nach aber wunderbar eingefangen – und die Aussicht, nach all den Jahren erneut in die Schlacht gegen die Kilrathi zu ziehen, zaubert mir jetzt schon ein breites Grinsen ins Gesicht.


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