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Dark Scrolls


(Devolver Digital, 2026)

Wie es sich für ein waschechtes Actionspiel gehört, hält sich Dark Scrolls nicht allzu lange mit so etwas wie einer Handlung auf. Ich fasse mich bei der Einleitung deshalb kurz: Dunkle Mächte haben die namensgebenden Schriftrollen an sich gerissen und stürzen die Welt damit ins Chaos. Allein oder zusammen mit einem weiteren Helden zieht man nun los, um die magischen Artefakte zurückzuerobern und den finsteren Kreaturen das Handwerk zu legen. Große Zwischensequenzen oder tiefgründige Charakterentwicklungen sollte man im Laufe des Spiels aber nicht erwarten – die Story dient in erster Linie als Rahmen für die Action und erfüllt diesen Zweck damit vollkommen. Das kommt mir sehr gelegen, also das Messer zwischen die Zähne geklemmt und direkt rein ins Getümmel!

Welches “Schweinderl” hättens denn gern?

Kommen wir somit auch gleich zum Kern von Dark Scrolls, der Spielmechanik. Zu Beginn habt ihr die Wahl aus drei verschiedenen Heldenfiguren, die mit ganz individuellen Fähigkeiten daherkommen: einem brachialen Krieger mitsamt Stampfattacke, einem Magier und einer relativ schwach bewaffneten Schurkin, die dafür aber mit ihrer Agilität punkten kann. Am ausgewogensten und somit für Einsteiger am besten geeignet ist der Zauberer. Er ist ziemlich flink, verfügt über einen praktischen Doppelsprung und deckt die Gegner großflächig mit Energiebällen ein. Im Verlauf des Spiels schaltet ihr weitere Helden frei, die anschließend ausgewählt werden können. Ihre speziellen Skills bringen zusätzliche Facetten ins Gameplay, was den Wiederspielwert enorm steigert. Mit den im Spiel aufgesammelten Münzen lassen sich zudem immer wieder neue Fähigkeiten und Waffen für eure Recken freischalten.

Dark Souls im 8-Bit-Gewand

Spielerisch fühlt sich Dark Scrolls wie eine wilde Mischung aus Castlevania und Ghosts’n Goblins an, gewürzt mit einer Prise Contra. Ihr solltet allerdings wissen, dass ihr es mit einem Auto-Scroller zu tun habt – der Bildschirm bewegt sich also ständig weiter, wodurch ein permanenter Druck entsteht. Wer also eher auf gemütliches Erkunden seiner Spielumgebung steht, dürfte mit dem Spiel nicht allzu glücklich werden. Zahlreiche Fallen und Bosskämpfe verlangen schnelle Reaktionen und präzises Timing. Das Spiel kombiniert den hohen Schwierigkeitsgrad klassischer Arcade-Titel mit modernen Roguelite-Ideen und schafft damit einen motivierenden Suchtfaktor. Dank den zufällig generierten Abschnitten gleicht kein Durchlauf dem anderen. Unfair wird’s dabei zum Glück selten, aber schwer auf jeden Fall. Ich würde sogar sagen: bockschwer!

Wer mit Spielen dieser Machart nicht vertraut ist, dürfte nach dem ersten Ableben bestimmt überrascht sein, dass es keine Rücksetzpunkte im herkömmlichen Sinne gibt. Ein Run innerhalb des Spiels besteht aus mehreren zusammenhängenden Abschnitten. Falls eure Lebensenergie also vor dem Bezwingen des letzten Level-Bosses zuneige geht, geht’s unweigerlich wieder zurück zum Anfang des jeweiligen Abschnitts. Dark Scrolls ist somit kein nostalgischer Spaziergang, sondern eine echte Herausforderung für erfahrene Spieler.

Technik-Check

Optisch setzt Dark Scrolls voll auf Retro-Charme. Die detailreiche Pixelgrafik erinnert an späte 8-Bit- oder frühe 16-Bit-Titel und trifft somit genau den Nerv von Spielern, die mit Modulen und Röhrenfernsehern aufgewachsen sind. Besonders gelungen sind die abwechslungsreichen Gegnerdesigns und die stimmungsvollen Fantasy-Kulissen. Der Soundtrack liefert dazu passende Chiptune-Klänge, die bei mir sofort Erinnerungen an lange Retro-Sessions auf dem NES oder SNES geweckt haben. Moderne Effekte wie Partikel oder Lichteffekte werden sparsam eingesetzt, ohne den klassischen Look zu verwässern. Die Illusion eines aufgebohrten 8-Bit-Spiels wird somit größtenteils aufrechterhalten.

Fazit: Wie bereits erwähnt, ist Dark Scrolls kein Kindergeburtstag, sondern eine knallharte Herausforderung für Adrenalin-Junkies. Wer ein bisschen Frustresistenz und Ehrgeiz mitbringt, wird sich aber schnell in das Spiel verbeißen. Bei all seinen Anleihen an alte Klassiker bleibt der Titel erfreulich frei von Nostalgie-Kitsch und bietet somit auch jüngeren Gamern genug Anreiz, einen Blick zu riskieren. Besonders gelungen finde ich den Multiplayer-Modus: Gemeinsam mit einem Kumpel (oder einer Kumpeline) macht das Chaos gleich noch mehr Spaß und denkt immer dran: Geteiltes Leid ist halbes Leid! Nach Angaben der Entwickler sollten geübte Spieler übrigens nach 8–10 Stunden den Abspann über den Bildschirm flimmern sehen. Ob ich dieses Ziel erreicht habe und wie lange ich gegebenenfalls dafür gebraucht habe, verrate ich an dieser Stelle mal lieber nicht 😉 Spaß gemacht hat’s allemal.

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