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Kato-Chan & Ken-Chan (Hudson Soft,
PC Engine)
Auf diesen Test
habe ich mich persönlich schon lange gefreut, denn das hier
vorgestellte Game Kato-Chan and Ken-Chan für die PC Engine (in
den USA Turbo Grafx) ist so dermassen abstrus und sauschwer, daß
ich es euch einfach nicht vorenthalten konnte.
Da die meisten von
euch noch nie etwas von diesem Machwerk aus dem Land der
aufgehenden Sonne gehört haben dürften, wird meine Einleitung
diesmal etwas ausführlicher ausfallen. Bei den namensgebenden
Protagonisten Kato und Ken handelt es sich um zwei Comediens,
die in den 80er Jahren zusammen in einer total abgedrehten Show,
im japanischen Fernsehen auftraten. In dieser Sendung wurden
lustige Pannen-Videos gezeigt, die immer wieder durch
Sketche und Kommentare der beiden Akteure unterbrochen wurden.
Leider sind meine Japanisch-Kenntnisse miserabel und so kann ich
nur mutmassen, von was die beiden Quasselstrippen in ihrer Show
gesprochen haben. Wie ich das japanische Fernsehen aber kenne,
dürfte es sich grösstenteils um deftigen Fäkalhumor und leicht
sadistische Späßchen gedreht haben.
Aufmerksam auf dieses
seltene Stück Videospiel-Geschichte wurde ich dank zahlreicher
Tests, in den damals verfügbaren Spiele-Zeitschriften. Witzig
fand ich hier vor allem die Screenshots der abgedrehten
Charaktere, mit ihren Wasser-köpfen und den winzigen Beinchen.
Leider war mir zu dieser Zeit die Anschaffung einer PC Engine,
vor allem aus finanziellen Gründen, nicht möglich. Ein paar Jahre
später habe ich mir diesen Traum allerdings erfüllt und natürlich dachte ich sofort wieder an diesen verrückten, japanischen Titel vom Bomberman Erfinder Hudson Soft. Auch die durch die Bank
unterdurchschnittlichen Wertungen zu diesem Spiel konnten mich
nicht davon abhalten, mir endlich ein Exemplar von Kato &
Ken zu besorgen. Manche lernen es eben lieber auf die harte
Tour...
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Kommen wir nun zum
Spiel selbst. Kato-Chan and Ken-Chan oder JJ and Jeff wie das
Spiel in den USA hiess, kann am besten als eine Mischung aus
Super Mario Bros. und Wonderboy bezeichnet werden. Das klingt an
sich erstmal ganz gut. Immerhin zählten diese beiden Titel
damals zu den erfolgreichsten und beliebtesten Spielen
überhaupt. Aber der Teufel steckt wie immer im Detail.
Im kurzen Vorspann
erhalten Kato und Ken, die in diesem Spiel wohl so etwas wie
Privatdetektive darstellen sollen, einen Anruf eines Klienten,
der die beiden Chaoten engagiert, einen reichen Geschäfts-mann
aufzuspüren, der von Gangstern entführt worden ist. Dieser Plot
lässt sich zumindest aus der amerikanischen Version schliessen.
Wie gesagt, meine Japanisch-Kenntnisse sind miserabel. Klingt
recht abgedroschen werdet ihr jetzt sagen, aber auf die Handlung
kam es bei Plattform Jump´n Runs eigentlich noch nie an.
Was viel schlimmer ist, ist die sehr ungenaue
Steuerung. Nachdem ihr euch für einen der beiden kalauernden
Detektive als Spiel-Charakter entschieden habt, schliddert ihr
geradewegs in den ersten, der insgesamt acht, grafisch
recht schlicht gehaltenen Levels. Und der Begriff "schliddern"
ist hier nicht zufällig gewählt. Die Spielfigur steuert sich
nämlich wirklich, als würde sie sich auf einer rutschigen
Eisfläche befinden. Das macht exakte Sprünge und Bewegungen so
gut wie unmöglich. OK habt ihr euch dann irgendwann an die
indirekte Steuerung gewöhnt, werdet ihr von einer Vielzahl an
unfair agierenden Gegnern überrascht. Die grösstenteils tierischen
Widersacher greifen euch aber natürlich nicht auf dem herkömmlichen
Weg an, sondern wie man es von einem abgedrehten Japan Titel
erwarten kann, durch allerlei Fäkal-Attacken. So lassen die
umherfliegenden Vögel zum Beispiel Kot-Haufen auf euch fallen,
die euch nach wenigen Treffern umgehend ins Jenseits befördern.
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Wehren könnt ihr euch
durch mariotypische Sprung-Attacken, Kicks oder aufgepasst, in
üblen Rauchwolken aufsteigende Pfürze. Na hab ich euch zuviel
versprochen? Ich glaube nicht. Da ist es auch nicht weiter
verwunderlich, daß ihr euern nichtsnutzigen Kollegen immer
wieder beim Verrichten seines Geschäfts an der nächsten Laterne
oder im Gebüsch überrascht und durch einen unsanften Tritt
wieder zur Mitarbeit überredet. Das kann man nun witzig finden
oder einfach nur ekelhaft. Ich muss gestehen, daß bei mir eher
das erstere zutrifft, da ich ein Faible für die
japanische Kultur und den abgedrehten Humor der Japaner habe.
Allerdings hat das
Spiel einfach zu viele Macken, um hier verschont zu werden. Zu
den oben genannten Patzern bei der Steuerung und dem unfassbar
heftigen Schwierigkeitsgrad, gesellen sich auch noch erhebliche
Mängel beim Spieldesign. So kommt es nicht selten vor, daß ihr
in eine Grube plumpst, aus der es einfach keinen Ausweg mehr
gibt und euch nur noch ein Druck auf den Reset-Knopf hilft oder
ihr steht vor einem Abgrund, der auf den ersten Blick
unüberwindbar scheint. Erst nachdem ihr wild in der Gegend
herumkickt, erscheint irgendwann wie aus dem Nichts eine
schwebende Plattform, die euch das Weiterkommen ermöglicht. Auch
grafisch und soundtechnisch wäre zu dieser Zeit wesentlich mehr
drin gewesen. Die Hintergründe und Gegner wiederholen sich
ständig und die dudelige Musikuntermalung nervt irgendwann nur
noch und ihr werdet den Lautstärke Regler eures Fernsehers sehr
bald auf Null stellen.
Fazit: Wirklich schade, daß Hudson Soft
bei diesem an sich witzig anmutendem Game technisch so gepatzt
hat. Gut es handelt sich bei Kato & Ken um ein 8-Bit Spiel, aber
auf der PC Engine existierten zu diesem Zeitpunkt eben schon
wesentlich bessere Hüpfspiele, wie das geniale Bonk oder
Adventure Island. Diese konnten vor allem durch ihre (für
die damalige Zeit)
technische Brillianz und gute Spielbarkeit überzeugen. Somit gibt
es eigentlich keinen vernünftigen Grund, sich diese Spiele-Katastrophe anzutun. Mich haben diese Tatsachen
allerdings nicht vom Kauf abgehalten. Schliesslich wusste ich
bereits vorher von den technischen Mängeln. Die ungewöhnliche
Darstellung der Spielfiguren und der absolut absurde Humor haben
es mir einfach angetan. Da hat mich auch der relativ hohe
Anschaffungspreis von ca. 30 Euro (bei Ebay) nicht weiter
abgeschreckt. Es war eben schon immer etwas teurer,
einen besonderen Geschmack zu haben.
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